Was macht eine gute Tragehilfe aus?


Eine kurze anatomische Einführung:


Die Wirbelsäule eines Neugeborenen ist nicht wie beim Erwachsenen doppel-s-förmig aufgerichtet, sondern befindet sich in der sogenannten Totalkyphose. Die Aufrichtung der Wirbelsäule geschieht in 3 Etappen über einen Zeitraum von ca. einem Jahr. Das heißt, der menschliche Säugling verfügt erst ab dem Laufalter über eine Wirbelsäule, die in der Lage ist, Stöße und Bewegungen richtig gut abzufedern. Die Beuge- und Streckmuskeln, die das Köpfchen halten und das Kind beim Sitzen, Krabbeln und Laufen benötigt, kräftigen sich im Zusammenspiel mit der Entwicklung seiner Wirbelsäule.


Die Bandscheiben eines Erwachsenen bestehen grob gesagt aus Knorpel mit einem Gallertkern, sie dienen dazu, die Wirbelsäule vor Zugkräften zu schützen, wie sie etwa bei schiefer Rückenhaltung vorkommen. Sie sind nicht durchblutet.


Im Gegensatz dazu liegen die Bandscheiben des Säuglings als gut durchblutetes Gewebe vor, die Ausbildung der vom Erwachsenen bekannten Form erfolgt mit der Aufrichtung des jeweiligen Wirbelsäulenabschnittes. Daher sind die Bandscheiben des Babys sehr empfindlich, die Wirbelsäule darf keinen unnötigen Zugbelastungen ausgesetzt werden.
Ebenso unreif sind das Becken des Neugeborenen und seine Hüftgelenke. Die Verknöcherung des Beckens und der Hüftgelenke vollzieht sich auch über einen längeren Zeitraum, selbst im Vor- und Grundschulalter können Kinder noch korrigierend an den Hüften behandelt werden, wenn diese einen sehr schlechten Befund zeigen. Das bedeutet, dass das Baby nicht nur in den ersten Wochen in einer orthopädisch korrekte Haltung getragen werden sollte, um die Hüftreifung und Entwicklung seiner Wirbelsäule zu unterstützen, sondern dass diese Kriterien sich durch die gesamte Tragezeit des Kindes ziehen.

Voraussetzungen für das Tragen:


Tragen wir unser Baby also in einem Tragetuch oder einer Tragehilfe, muß sein Rücken fest umschlossen sein, wie von einer Bandage, um eine gute Stützung zu erreichen und um seinen anatomischen Gegebenheiten zu entsprechen. Gleichzeitig muß das Baby seinen Rücken aber auch runden können, wenn es schläft oder müde ist und strecken, wenn es wach ist. Das Kind darf nicht in sich zusammensinken oder seitlich wegkippen können. Ob das Kind in sich zusammensackt, kann folgendermassen festgestellt werden: Beugt man sich vor, darf das Kind nicht vom Körper der tragenden Person weg“fallen“.

Die Beine des Kindes müssen von der Tragehilfe/dem Tuch in die sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung gebracht werden, da nachweislich diese Haltung die gesunde Nachreifung der Hüften unterstützt (S. dazu Dr. Ewald Fettweis: Hüftdysplasie: Sinnvolle Hilfen für Babyhüften. Stuttgart, 2004). In dieser Haltung hockt das Kind seine Beinchen zu ca. 100 - 110° an und spreizt sie in einem Winkel von max. 45° von der Körpermitte aus gesehen ab, bei Neugeborenen ist eine Spreizung von 30° ausreichend. Die Knie des Kindes befinden sich in dieser Haltung ca. auf Höhe seines Bauchnabels, der Abspreizwinkel zwischen beiden Beinen beträgt maximal 90° / 60° (Addition der Abspreizwinkel von jeweils 45° bzw. 30° links und rechts). In dieser Haltung rundet sich der Rücken des Kindes auch sanft ein.


Daraus ergeben sich folgende Anforderungen an eine gute Tragehilfe:

Ein rausreichend breiter Steg zwischen den Beinen bzw. die Beinöffnungen des Tragessackes müssen die Anhock-Spreiz-Stellung der Beine zulassen. Richtlinie: Die Kniegelenke des Kindes befinden sich in Höhe seines Bauchnabels, die Abspreizung der Beine sollte 90° nicht überschreiten.

Gute Stützung des Rückens. Das Gewebe sollte den Rücken des Kindes fest umschließen, damit das Kind nicht wegkippen oder in sich zusammensacken kann. Gleichzeitig muß das Gewebe ein Rundwerden des kindlichen Rückens zulassen, wenn das Kind einschläft. Dies ist umso wichtiger, je jünger das getragene Kind ist. Man erreicht dies am besten durch Anpressdruck der Trage. Tragen mit vorgeformten Beuteln, die nicht individuell dem Kind angepasst werden können, sind zu vermeiden, denn nicht jedes Baby ist gleich gross.

Kopfstütze: Die Tragehilfe/der Tragesack muß den Kopf des Kindes stützen, wenn dieses nicht in der Lage ist, den Kopf selbst aufrecht zu halten, z.B. wenn es schläft.

Die Tragehilfe sollte das Gewicht des Kindes gut verteilen, so dass das Tragen des schweren Kindes für den Träger/die Trägerin auch für längere Zeit angenehm ist. Von Vorteil ist dabei die Verteilung des Gewichtes auf Schultern und Hüfte.

Riemen und Schnallen sollen bequem, einfach und sicher zu bedienen sein.

Wie auch bei den Tragetüchern ist es wichtig, dass die Tragehilfe keine Schadstoffe im Gewebe gespeichert hat, dass die Farben speichelfest sind und dass das Gewebe möglichst kunstfaserfrei ist.

 

WAS MACHT EIN GUTES TRAGETUCH AUS?

 

 

Es besteht aus reiner Baumwolle, allenfalls mit anderen Naturfasern vermischt.

Es ist so gewebt, dass es zwar stabil und fest ist, aber doch den Körper des Kindes gleichmässig elastisch umschliessen kann wie eine Bandage. Es braucht also eine gewisse Diagonalelastizität, um die „Ausbeutelung“ zuzulassen. Idealerweise ist das Tuch in Kreuzköper oder Diamantköper-Webart gewebt, zum Teil auch Jacquard - was allerdings nicht unbedingt für Anfänger zu empfehlen ist, da diese Gewebe sehr elastisch sind und daher präzises Binden wichtig ist.

Das Tuch soll zwar weich sein, aber nicht zu fein, da sich sonst festgezogene Stellen während des Tragens lösen könnten.

Es soll doppelt umgenähte Kanten haben, und zwar nicht zu schmal, da das Festziehen sonst schwer fällt.

Schräg abgeschnittene Tuchenden erleichtern das Knoten.

Von einem Prüfinstitut getestet auf Schadstoff-Freiheit

Das Tuch sollte robust sein und nicht ausleiern, dabei jedoch einfach gepflegt werden können (normale Buntwäsche).

 

Was macht eine gute Tragehilfe aus?

 

Was macht eine gute Tragehilfe aus?

 

Eine Tragehilfe muss folgenden Kriterien erfüllen können: 

*       Anhock-Spreizhaltung muss möglich sein, die Knie des Kindes sind idealerweise auf der Höhe seines Nabels. Der Winkel zwischen den Beinchen beträgt etwa 90°. Nur so wird eine optimale Entwicklung der kindlichen Hüfte gewährleistet.

Stützung im Rücken und Nacken des Kindes, die Trage muss dort eng anliegen. Beugt man sich vor, darf das Kind nicht in sich zusammensacken bzw. vom Körper der tragenden Person weg“fallen“. Dies wird am besten durch Anpressdruck der Trage erreicht.

Der Kopf des Kindes muss gestützt werden können, vor allem wenn das Kind schläft

Gute Verstellbarkeit für Eltern und Kind: Die Eltern sind unterschiedlich gross, kein Kind ist gleich gross wie das andere.

Die Trage sollte „mitwachsen“ können.

Gute Gewichtsverteilung am Körper der tragenden Person sollte möglich sein – Vermeidung von Rückenschmerzen!

Wie sind die Riemen / Schnallen / Gurten? Sind sie bequem und leicht zu bedienen?

Lieber Naturfaser als synthetisches Material.

Die Traghilfe muss Alter, Grösse und Entwicklungsstand des Kindes angepasst bzw. anpassbar sein, der Steg reicht idealerweise von Kniekehle zu Kniekehle, absolut zu vermeiden sind Spagat und Beinebaumeln.

 

Quelle: www.känguru.ch

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